Einleitung und Problemstellung Obwohl der Sinus pilonidalis eine häufige Erkrankung darstellt ist die Methode der Behandlung immer noch umstritten. Ziel der ärztlichen Maßnahmen sollte die Verhinderung des Wiederauftretens sein bei gleichzeitiger Minimierung der postoperativen Schmerzen und Beeinträchtigungen für den Patienten. Konservative Therapien wie das Ausbürsten und die Phenolinjektion sind heute, im Gegensatz zu den chirurgischen Verfahren, kaum noch üblich. Die Operationsmethoden wiederum unterscheiden sich grundlegend danach, ob sie 'offen' sind oder 'geschlossen' (Frenkler 1998, 1), d.h. danach, ob ein primärer Wundverschluss erfolgt oder nicht. Lokalisierung Lokalisiert ist die Erkrankung meist in der Gesäßspalte über dem unteren Kreuzbein. Es wurden aber auch Fälle berichtet, bei denen die Achselhöhle (Aird 1952, Grobe 1978), der Nabel (Patey et al. 1956), die großen Schamlippen (Patey et al. 1962) oder die Zwischenfingerspalten (Downing 1952) betroffen waren. Nachdem Anderson bereits 1847 dieses Krankheitsbild beschrieb, wurde es 1880 von Hodges als Pilonidal sinus benannt. Im deutschen Sprachraum sind verschiedene Bezeichnungen wie Dermoidsack bzw. -zyste, Haarnestdrüse bzw. –fistel, Inklusionsdermoid, Kreuzbeinfistel, Pilonidalfistel, Raphefistel, Sakraldermoid bzw. –fistel und Steinbeinfistel bzw. –sinus oder Traktionsdermoid gebräuchlich (Bui 1997, 1; Huth 1996, 1). Ätiologie Für die bisher nicht eindeutig geklärte Ätiologie werden in der Literatur sowohl kongenitale als auch nicht kongenitale Faktoren genannt. Zu den kongenitalen Ansätzen zählt die ektodermale Ätiologie, die davon ausgeht, dass der fehlerhafte Verschluss der Medianfurche aus dem Einschluss von Hautanteilen entstehe (Brearley 1955, Eftaiha et al. 1979, Franckowiak et al 1962). Für eine neurogen kongenitale Ätiologie werden in der sakrokokzygealen befindliche Reste des Medullarkanals angenommen (Huth 1996, 1). Anhaltspunkte für eine nicht kongenitale Ätiologie wurden zuerst von Patey und Scarff (1948) vorgelegt. Sie gingen von einer infektiösen, bakteriellen Entstehung aus. King sah 1949 die Ursache der Abzeß- und Fistelbildung in Reizungen der Haut, die zu Epidermisdefekten führen und so das Eindringen von Gewebstrümmern und Haaren ermöglichen, die dann chronische Entzündungen provozieren. Brearley wies 1955 auf die Möglichkeit der Entstehung von Pilonidaerkrankungen entweder durch Haarbündel im Bereich der Rima ani hin, die sich durch Rollbewegungen der Epidermis bilden (Puncture Sinus) oder dort, wo es aufgrund der weiten Glutealspalte keine Rollbewegungen gibt, auf einen Sog zurückgehen, der durch die fasziale Bindung der Haut hervorgerufen wird. Methoden mit primärem Wundverschluss Bei diesen Verfahren wird nach der Excision noch in derselben Operation eine Wundabdeckung durch einen symmetrischen oder asymmetrischen Schwenk- oder Verschiebelappen der angrenzenden Haut vorgenommen (Frenkler 1998; Geuenich et al. 1981; Giebel et al. 1993). Als Vorzüge der 'geschlossenen' verfahren werden die niedrige Rezividrate, die schnelle Wiederaufnahme der alltäglichen Aktivitäten, das gute kosmetische Ergebnis und die Komfortabilität für die Patienten angesehen (Fishbein et al. 1979; Geuenich et al 1981; Giebel et al. 1993). Schräge oder vertikale Excision mit primärem Wundverschluss Talu et al. (1996) behandelten im Verlauf von zwei Jahren 32 Patienten mit chronischem Sinus pilonidalis mittels der schrägen Excision und primären Wundverschluß und eine zweite Gruppe von 45 Patienten mit vertikaler Excision und primärem Wundverschluss. Akute oder rekurrente Fälle wurden ausgeschlossen. Das mittlere Follow-Up betrug für die erste Gruppe 15,9 Monate und für die zweite Gruppe 19, 6 Monate. Die durchschnittliche Dauer des Krankenhausaufenthaltes betrug 3.18+1.31 für die erste und 5.53+4.11 Tage für die zweite Gruppe. Die täglichen Aktivitäten konnten in der ersten Gruppe nach 10.4+14.37 Tagen wieder aufgenommen werden, in der zweiten Gruppe nach 12.91+39.17 Tagen. Die Rezividivrate in der ersten Gruppe betrug 0 %, während sie für die zweite Gruppe bei 35,5% lag. Excision ohne primären Wundverschluss Bei dieser 'klassischen' Operationsmethode erfolgt die Excision des Sinus pilonidalis, die Wunde aber wird nicht verschlossen, sondern heilt durch langsames Zugranulieren der Haut aus (Frenkler 1998). Angewandt wird diese Methode bei ausgedehnten Fistelbildungen und großen Abszessen, bei denen ein primärer Wundverschluss bzw. eine plastische Wundabdeckung nicht möglich erscheint (Bui 1997). Die Rezidivhäufigkeit für diese Methode wird mit bis zu 36 % angegeben (Clothier et al. 1984). Literatur Aird, I. (1952): Pilonidal sinus of the axilla. In: Nrit med J 902/1952. Anderson, A. W. (1847): Hair extracted from ulcer. In: Boston med. Surg. 36/1847, S. 74-76. Brearley, R. (1955): Pilonidal sinus. a new theory of origin. In: Br J Surg 43/1955, S. 62-76. Bui, M. T. (1997): Die Behandlungsmöglichkeiten des Sinus pilonidalis und die eigenen Ergebnisse der Operation nach KARYDAKIS. Diss. RUB Bochum 1997. Clothier, P. R. / Haywood, I. R. (1984): The natural history of the postanal (pilonidal sinus). In: Ann R Coll Surg Engl 66/1984, S. 201-203. Downing, J. R. (1952): Barbers pilonidal sinus. In: J. Amer Med Ass 148/1952, S. 1501. Eftaiha, M. / Abcarian, H. (1977): The dilemma of pilonidal disease. Surgical treatment. Dis. Colon Rektum 4/1977, S. 279-286. Fishbein, R. H. / Handelsman, J. C. (1979): A method for primary reconstruction following radical excision of sacro-coccygeal pilonidal disease. In: Ann Surg 190/1979, S. 231-235. Franckowiak, J. / Jackmann, R. J. (1962): The etiology of pilonidal sinus. In: Dis Colon Rektum 5/1962, S. 28-36. Frenkler, J. E. (1998): Sinus pilonidalis. Ist die 'klassische' Therapie durch Excision noch zeitgemäß? Diss. Univ. Kiel 1998. Geuenich, A. / Hannekum, A. (1981): Primärverschluß des Sinus pilonidalis durch eine Verschiebeschwenkplastik. In: Chirurg 52/1981, S. 114-117. Giebel, G. D. / Mennigen, R. / Chalabi, G. / Dahl, H. D. (1993): Pilonidal sinus treated with a transposition lap. In: Coloproctology 15/1993, S. 180-183. Grobe, J. W. (1978): Pilonidal sinus bei einem Friseur. In: Dermatosen 26, 6/1978, S. 190-191. Hodges, R. M. (1880): Pilonidal sinus. in: Boston Med Surg J 103/1880, S. 485-486. Huth, H. 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