Frauen in der Geschichte des Sports und der Bewegungsentwicklung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Juergen Schroeder   
Montag, 14. Dezember 2009 um 00:00

Die Ausübung von Sport ist heute ein alltägliches Moment der Freizeitgestaltung einer großen Zahl von Menschen.

"Die Ausübung von sportlichen Aktivitäten ist ein Massenphänomen, welches sich durch alle gesellschaftlichen Schichten und durch jede Altersgruppe zieht." (Gieß-Stüber 2004, S. 13)

Dem Sport, mit einigen Ausnahmen (z.B. des Schachs und Angelns), liegt die Körperlichkeit zugrunde, die Ausführung von Bewegungen und die eigene Schulung darin.

"Es ist davon auszugehen, daß Körper und Bewegung ein zentraler Bestandteil der Lebenswirklichkeit und Grundlage des Dialogs zwischen Individuum und Mitwelt sind." (Pfister 1993, S. 44)

In dieser Auseinandersetzung des Körpers mit der Umwelt aber gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede.

"Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und die damit korrespondierenden Machtverhältnisse gravierten und gravieren unterschiedliche Spuren in die Körper von Männern und Frauen ein." (Pfister 1993, S. 42)

Der Sport unterliegt also den gesellschaftlichen Bedingungen, die seine generelle Ausübung und seine Formen prägen. Frauen wurde hier fast immer der Zugang verwehrt. Den Ausgangspunkt für den Sport von heute bildet das antike Griechenland mit seinen Gymnasien, die der körperlichen und staatsbürgerlichen Erziehung junger Männer dienten. Bis ins 4. Jahrhundert vor Christus nahm der Sport hier als Ausdruck einer kriegerischen Kultur eine führende Rolle in der Bildung ein, verlor dann aber in einem mehr auf geistig-philosophische Bildung ausgerichteten Unterrichtskanon zunehmend an Bedeutung. Der Sport war damals und auch bei seiner Wiederbelebung im 19. Jahrhundert geschlechtsspezifisch ausgerichtet auf Männer und bis auf das für Mädchen mögliche Schlittschuhlaufen reine Männersache (Pfister 1996, S. 45), "oftmals mit dem Ziel der Gesundheitsförderung und Wehrertüchtigung" (MSWKS NRW 1999). Während die Männer militärische Qualitäten erwarben, wurden die Frauen in eng geschnürte Korsetts und andere der Bewegung äußerst abträgliche Modekleidung gezwängt.

"Infolge der damit verbundenen Gesundheitsschäden wurde die Nützlichkeit körperlicher Übungen für Mädchen und Frauen schon Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, also zur Zeit Jahns, auch für Mädchen und Frauen von einigen engagierten Turnlehrern gefordert." (Spitthöver 1989, S. 47f)

Der Teilnahme am Sport blieb den Mädchen und Frauen aber weiter enge Grenzen gesetzt. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war der Sport wesentlich von Männern geprägt, die einzig wirklich populäre Sportart in der Zeit der Not war der Fußball, und in diesem war die Beteiligung von Frauen durch den DFB verboten, die dem DFB angehörenden Vereine durften weder Damenfußballabteilungen gründen noch die Spielplätze für Damenfußball zur Verfügung stellen (Pfister 2001, S. 9).

 

In der Nachkriegszeit waren Frauen an der sportlichen Betätigung vor allem dadurch gehindert, dass für die von ihnen favorisierten Sportarten der Gymnastik und des Turnens Hallen vonnöten waren, die nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung standen. Leichtathletik und Handball dagegen waren leichter durchzuführen, aber nicht so beliebt. Insgesamt blieben die Frauen so zunächst eine kleine Minderheit in der organisierten Sportbewegung. (Pfister 2001, S. 4).

 

Bezüglich der von Frauen auszuübenden Sportarten wurde eine heftige Diskussion geführt, in der oft eine Unvereinbarkeit von Weiblichkeit als Ideal oder auch weiblicher Gesundheit mit bestimmten Sportarten, vor allem dem Kraft-, Kampf- und Leistungssport unterstellt wurde (Pfister 2001, S. 7f.). Gymnastik und Tanz dagegen hatten sich schon seit Beginn des Jahrhunderts als 'typisch weiblich' etabliert und galten auch im Nachkriegsdeutschland für Frauen als unbedenklich. So wie die Frauen lange vom offiziellen Fußball ausgeschlossen waren, wurden auch beim Turnen geschlechtsspezifische Unterschiede seitens der Frauenführung des Deutschen Turnerbundes (DTB) festgestellt. Dies führte dazu, dass diese 1954 gar den bis 1960 anhaltenden Boykott internationaler Wettkämpfe beschlossen, da sie durch diese zu große Anstrengungen für die Turnerinnen befürchteten (Pfister 2001, S. 9).

 

Es gab eine insgesamt kontinuierliche Ausgrenzung der Frauen aus dem Sporttreiben, und dort, wo ihnen doch sportliche Aktivitäten erlaubt wurde, eine Einschränkung dieser auf ganz bestimmte, als weiblich empfundene. Vor allem Wettkampf und körperliche Konfrontation mit Gegnerinnen galten als unweiblich, und der Zugang von Frauen zu solchen Sportarten wurde eingeschränkt. Zwar hat sich in der letzten Zeit eine Verlagerung der Motive für das Sporttreiben von Wettkampf und Erfolg weg hin zu Spaß, Erholung und Fitness ergeben, so dass beide Motivkomplexe nun ungefähr gleich stark wiegen (Wieland 2000, S. 10). Damit einhergehend hat sich auch die Art des Sporttreibens bzw. der ausgeübten Bewegungsarten pluralisiert, eine Vielzahl von neuen Stilen und Formen haben sich ausgeprägt. „Sport und Bewegung bilden ideale Foren für die Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung" (Gieß-Stüber 2004, S. 15). Sport kann aber nicht nur als soziales Moment verstanden werden, sondern vor allem auch als Methode der Prävention, die der Gesundheit dient. Dies gilt besonders für den sog. Gesundheitssport bzw. die Fitnesstrainings, welche sich jedoch meist jenseits der offiziellen Sportplanung und Sportförderung befinden, diese konzentriert sich fast ausschließlich auf den vereinsbasierten Sport.

 

Das „Körpermanagement“ des heutigen organisierten Sports ist insgesamt immer noch über die von Männlichkeitsstrukturen dominierte, auf Erfolg und Wettkampf ausgerichtete Sportwelt geprägt, in der Männlichkeit leichter ausgedrückt werden kann als Weiblichkeit. Dies erwächst aus und spiegelt sich wider in den Sportarten, -organisationen und den damit verbundenen Entscheidungsstrukturen.

 

Literaturverzeichnis

 

Gieß-Stüber, Petra (2004): Sport und Bewegung in Freiburg – Band 1-4. Freiburg 2004.

MSWKS NRW (1999): Zwischenbericht zum Landesprogramm "Mehr Chancen für Mädchen und Frauen im Sport" (Stand: 15. Dezember 1999). http://www.mswks.nrw.de/Sport/themenAngebote/integrationsprojekte/maedchenUndFrauen/Zwischenbericht.doc

Pfister, Gertrud (1996): Zwischen neuen Freiheiten und alten zwängen.... Körper- und Bewegungskultur von Mädchen und Frauen. In: Flade, Antje / Kustor-Hüttl, Beatrice (Hrsg.): Raus aus dem Haus. Mädchen erobern die Stadt. Frankfurt am Main / New York 1996. S. 45-65.

Pfister, Gertrud (2001): Wie alles begann... Frauen und Sport in den ersten 20 Jahren der Bundesrepublik Deutschland. In: DSB (Hrsg.): Mitmachen. Mitdenken. Mitlenken. 50 Jahre Frauen im deutschen Sportbund. Frankfurt am Main 2001. S. 4-11.

Spitthöver, Maria (1989): Frauen in städtischen Freiräumen. Pahl-Rugenstein Hochschulschriften Gesellschafts- und Naturwissenschaften Bd. 217. Frauen Studien Bd. 16. <Habil. Univ. Oldenburg 1988> Köln 1989.